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Zika-Viren für Anfänger

Sie befinden sich in einer flüchtlingskrisenfreien Zone. Hier wird nicht darüber schwadroniert, dass für manche „Neudeutsche“ westliche Frauen „vögelfrei“ seien.

Haha. Sorry. So einem Wortspiel kann ich nicht widerstehen. So ist der westliche Schriftsteller …verspielt halt.

Heute lieber ein paar Gedanken übers Zika-Virus.

Schon davon gehört? Dieses Virus – durch einen Mückenstich übertragen – kann bei schwangeren Frauen zu einer ganz fiesen Missbildung des Neugeborenen führen: zu einer Mikrozephalie. Das heißt: Schädel und Hirn geraten zu klein (vom Griechischen „mikros“ = „klein“ und „kephalos“ = „Kopf“). Allein in Brasilien sind bereits 4000 Kinder in diesem ungünstigen Zustand auf die Welt gekommen.

Inzwischen werden über solche Fällen aus verschiedenen südamerikanischen Ländern berichtet – dito aus Mexiko und der Karibik. In manchen Ländern – etwa Kolumbien – wird momentan von einer geplanten Schwangerschaft abgeraten. Man mutmaßt, dass das Virus, das wohl in Uganda heimisch ist, während der Fußballweltmeisterschaft nach Südafrika und dann nach Brasilien verschleppt worden ist. Manche Experten munkeln, dass es sich auch in den USA ausbreiten könnte. Nur in Kanada wohl nicht.

Erste Fälle gab es bereits in England – von Südamerika-Reisenden mitgebracht.

Nein, hier keine Panikmache. Lediglich der Hinweis, dass übermäßiger Medienkonsum gesundheitsschädigend sein kann.

„Quatsch, Herr Sprachbloggeur. Schließlich haben die Medien die Verantwortung zu informieren.“

Ja, das stimmt. Liebe Lesenden. Auch ich kenne keine Alternative.
Vielleicht geht’s mir, wenn ich übers Zika-Virus nachdenke, lediglich darum, darauf hinzuweisen, wie gefährlich das Leben ist. Meinen Sie nicht, dass wir in manchen europäischen Ländern inzwischen ein bisschen verwöhnt sind? Siebzig Jahre Friede, Krankenkasse, sechs Wochen Urlaub und Smartphones. Was will man mehr? Wer braucht Ärger mit Viren?

Kennen Sie den Roman „Der Untergang der Stadt Passau“ von Carl Amery? Es spielt in dem Bayern einer künftigen Zeit, und zwar einige Jahre nach einer schrecklichen Seuche, die innerhalb Tage 95% der Menschheit dahingerafft hat. Die Überlebenden leben inzwischen in kleinen Dörfern und sind mehr oder weniger autark. So, zum Beispiel, die „Rosmer“. Ihre Siedlung liegt da, wo früher „Rosenheim“ war. Die Großmacht dieser Ära heißt Passau. Die Passauer besitzen nämlich Glühbirnen aus dem alten Bestand von der Zeit vor der Seuche und können – solange der Vorrat anhält – Licht erzeugen. Im Osten sind die Ungarn auf dem Vormarsch.

Damit will ich mit Sicherheit nicht andeuten, dass das mit dem Zika-Virus uns mal Passauer Verhältnisse bescheren wird. Ich denke lediglich daran, dass manche Stories das Zeug haben, sich wie ein Virus zu verbreiten. Das mit dem Zika-Virus z.B. Auf Englisch heißt dieses Phänomen: „The story goes viral“. (Diese Redewendung hab ich in einer anderen Glosse mal angesprochen und meinte damit, es sei nur eine Frage der Zeit, bis sie auch „Neudeutsche“ wird).

Und siehe da! Gerade lese ich im Spiegel-Online folgende Bildunterschrift: „Virales US-Blizzard-Video“. Damit ist natürlich gemeint, dass ein gewisses Video über den jüngsten Blizzard in den USA „viral“ gegangen ist.

Irgendwie haben es die Viren aber etwas schwieriger in der deutschen Sprache viral zu gehen als etwa im Englischen. Ist es Ihnen mal aufgefallen, dass man von „das“ und „der“ Virus reden kann? Wenn sich ein Wissenschaftler über das Zika-Phänomen zu Wort meldet, heißt es das Virus. Reden wir untereinander, also weniger fachmännisch, so heißt es: „Hoffentlich krieg ich den Virus nicht.“

Alles klar?

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