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Hitlers Hoden und andere Sonderangebote

Wie dumm sind Verbraucher? Diese Frage stellen sich manche Unternehmer und Werbefuzzis täglich – besonders aber um die Weihnachtszeit.

Ich komme drauf, weil ich grade am Schaufenster eines Ladens gleich um die Ecke von mir die Worte „50 % günstiger“ in riesigen bunten Buchstaben gelesen habe.

Mein erster Gedanke war – und ich verdanke ihm meiner Lehrerin in der vierten Klasse Miss Bolger (sprich „boldscher), die uns stets einbläuten: „Kinder, niemals ‚als‘ mit dem Komparativ schreiben, ohne zu erklären, womit ihr etwas vergleicht.“

Irgendwie logisch. „Unsere Hamburger sind größer und saftiger“ sagt die Werbesprache. Und keiner stellt die Frage: „Größer und saftiger als was?

In manchen Sprachen, z.B. das Arabische, hat die Vergleichsform zwei Bedeutungen. Die Vokabel „kabir“, z.B., bedeutet „groß“. Sagt man: „ar-radschul kabir“ heißt das „der Mann ist groß“. Wenn aber ein Arabisch Sprechender „größer“ ausdrücken will, benutzt er die „Form „akbar“. Jeder kennt den Spruch „Allahu akbar“. Diese Worte bedeuten nicht, dass Gott größer ist – dann musste man mit Miss Bolger fragen: „Größer als was?“, was zu einer heiklen theologischen Auseinander führen könnte –, sondern „sehr groß“ oder gar „der/die/das größte“. Man nennt diese grammatische Form „Elativ“, was mehr ist als ein Komparativ. Alles klar, liebe Freunde und Freundinnen der Grammatik?

Aber zurück zum Laden um die Ecke, wo alles 50% günstiger ist.
„Günstiger als was?“ fragt Miss Bolger. „Als die Preise von vorgestern? Als die Preise in einem anderen Geschäft? (Aber welches?)“…usw.

You get the point.

Nebenbei: Der Laden oben mit den günstigeren Preisen nennt sich ein „Outlet“. Ich bin diesem neuenglischen Begriff erst vor zwanzig Jahren begegnet. Bin sicher, dass er die Erfindung eines Werbefuzzis war. Wer sonst hat solche perfide Einfälle? Man versteht darunter 1.) billige Preise (Neudeutsch: „Discount“), 2.) Markennamen, die in einem Laden – vorübergehend – feilgeboten werden und natürlich 3.) hier muss ich hin.

Raffiniert, gell?

Dass „Outlet“ zu einem neudeutschen Wort wurde, hat mich überrascht. Die Welt wird immer kleiner.

Eigentlich wollte ich heute nicht über den Komparativ bzw. den Elativ berichten – und erst recht nicht über die Outlets, sondern über Hitlers Hoden. Vor ein paar Tage hieß es nämlich in einer Zeitungsmeldung, dass Adolf Hitler nur einen Hoden hatte. Meine Frage: Ist ein Führer 50% günstiger, wenn er nur einen Hoden hat?

Nein, im Ernst. Was mich interessierte, war die Tatsache, dass diese Nachricht keine war. In meiner Jugend in Amerika war des Führers Eineiigkeit sehr bekannt. Man hat sogar drüber gesungen. Die Melodie war dem „Colonel Bogey March“ entnommen (finden Sie leicht im Internet) und stammte aus dem Film „Bridge over the River Kwai“. Der Text dürfte etwas älter gewesen sein:

„Hitler had just one ball,
Goering had two but very small,
Himmler had something similar
but Goebbels had no balls at all.”

Fußnoten: “ball” bedeutet “Hoden”, “Goebbels” wird auf Englisch “Go-b’ls” ausgesprochen.

Und damit beendet der Sprachbloggeur seine weihnachtliche Meditation. Feiern Sie schön. Hohoho and Merry Christmas!


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