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Huha! Jemand will mich vernichten! Bin ich also doch wer?

Vielleicht haben Sie in den letzten Tagen versucht, diese Seite zu erreichen, und fanden stattdessen eine himmelblaue Informationsseite vor, die auf Englisch erläuterte, dass die gewünschte Seite, „Der Sprachbloggeur“, momentan nicht zur Verfügung stehe.

Solche Ausfälle erlebe ich seit mehreren Tagen. Anders gesagt: Ich wurde in Cyberspace mundtot gemacht.

Ich vermute, es waren die Agenten der Unsprache am Werk. Schon wieder.

„Nein, es ist ganz einfach. Jemand hat den Server mit Digitalmüll vollgestopft.“ So hat es mir Freund E., Betreiber des Servers, erklärt.

„Wieso das?“ fragte ich.

„Die haben es offensichtlich auf jemanden abgesehen. Sie schicken uns über ihre Bots endlose Mails, bis unsere Festplatte den Geist aufgibt.“

„Auf mich abgesehen?“

„Wer weiß? Deine ist jedenfalls nicht die einzige Seite auf dem Server. Hast du wieder Böses in deiner Glosse geschrieben?“

„Nicht das ich wüsste. Nur das Übliche: über Sprache informieren und lästern, gegen Selbstmord und Unternehmenshabsucht polemisieren. Ach ja: Ich habe China und Osama auf die Schippe genommen. Und ein alter Freund hat mir gesagt:, ‚Jeder kann China kritisieren. Warum nimmst du niemals die Gegner von Stuttgart 21 ins Visier?’“

„Aha.“

„Meinst du er war’s, der den Server vermüllt hat?“

„Nein, ich meine nur, dass mir deine Themen immer so harmlos vorkommen. Zu harmlos. Ich kann’s mir kaum vorstellen, dass sich einer die Mühe macht, ausgerechnet den Sprachbloggeur zu vermüllen.“

„Was schlägst du also vor? Soll ich plötzlich gehässig werden?“

„Wäre keine schlechte Idee.“

„So einer bin ich aber nicht – zumindest als Schriftsteller nicht. Ich bin schließlich Existenzphilosoph und will von Dasein zu Dasein mitteilen.“

„Igittigitt. Das allein wäre ein Grund, dich ausschalten zu wollen. Erzähle das mit der Existenzphilosophie bitte nicht wieder. Sonst wirst du täglich vermüllt. Solche wie du sind selbst schuld, wenn sie angegriffen werden. Hast du noch nie ein Kind gesehen, das genüsslich an einem Eis schleckt. Man will dem Bengel das Eis aus der Hand schlagen. So viel Unschuld und Genügsamkeit erträgt keiner außer vielleicht einer Omi mit verweichtem Hirn.“

„Manchmal habe ich das Gefühl, auf dem intergalaktischen Expresszug unterwegs geewesen und an der falschen Haltestelle ausgestiegen zu sein.“

„Du hast Phantasie! Sei nur froh, dass einer endlich gegen deine Glosse scharfgeschossen hat – wenn du überhaupt das Ziel warst. Nun hast du in jedem Fall eine Gelegenheit zurückzuschießen.“

„Gegen wen?“

„Keine Ahnung. Auf jeden Fall musst du endlich anfangen, dir ganz andere Themen vorzunehmen. Du könntest, zum Beispiel, über den Chirurgen berichten, der seinen Posten verloren hat, weil er einen Aufsatz über das Nutzen von ungeschütztem Sex geschrieben hat. Er meinte, dass Sperma im Frauenkörper ein natürliches Antidepressivum sei.“

„Warum sollte ich über so was schreiben?“

„Ich sehe. Du kapierst immer noch nicht.“

„Was ist da zu verstehen?“

„Eben! Darum geht es. Nichts gibt es zu verstehen. Ja, darüber solltest du auch mal schreiben.“

„Und das wird mich besser gegen Cyberangriffe schützen?“

„Natürlich nicht. Gegen die Unsprache ist kein Kraut gewachsen. Das weißt du wahrscheinlich besser als ich. Ich sehe die Welt etwas anders als du. Nur das will ich dir sagen.“

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