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Köhler, Lena (unsere Lena), Ballack, iPads und das unerbittliche Gesetz…

Eben habe ich erfahren, dass Horst Köhler, nachdem er ein feuchtfrohes Fest verlassen hatte, bei Rot über die Straße gefahren ist. Die Polizei hat ihn angehalten, und dann musste er in die Röhre pusten, und jetzt ist er sein Amt als Landesbischof los. Oder irgendwie ähnlich war das. Es handelte sich jedenfalls um ein Ehrenwort. Die Details vergisst man so schnell.

Meinen Sie auch, dass in den letzten Tagen so viel passiert ist? Zum Beispiel: Ballacks Sprunggelenk, die Kriegstrommel in Gaza, Dennis Hoppers Tod, die Abwertung des spanischen Ratings, ja und das „top kill“-Debakel im Golf von Mexiko, und natürlich auch Lena…unsere Lena…die Lena mit dem total uneinprägbaren Familiennamen, den sie schleunigst ändern muss, wenn sie nicht zu einer von jenen Eintagsfliegen werden will, die von den Medien bei lebendigem Leib gefressen werden, bis jegliche Allüre in klingende Euros (Geld stinkt nie, wenn es auch entwertetet wird) verwandelt worden ist und nur die leere, etwas verbrauchte Hülle eines einst strahlenden Begriffs (in diesem Fall „Lena“ „unsere Lena“) übrig bleibt. Hoffen wir das natürlich nicht. Geht Lena noch auf den Abi-Ball? Eine Frage, die man sich in unserem Zeitalter erlauben darf.

Sicherlich lesen manche von Ihnen den „Sprachbloggeur“ bereits auf Ihrem strahlend neuen iPad. Sehe ich schöner aus?

Ja, heute geht es um Neuigkeiten. Denn es sind die Neuigkeiten, die das Leben so spannend machen. Als verkrusteter Altphilologe weiß ich jedoch, wie schnell auch Neuigkeiten zu Altertümlichkeiten werden.

Zum Beispiel, die folgenden vier Namen: Eudoxos von Knidos, Hipparchos (ich weiß nicht, woher er kommt), Aristarchos von Samos und Claudius Ptolemäus. Womöglich sagt Ihnen keiner dieser Namen etwas zu. Wenn ja, dann wohl den von Claudius Ptolemäus. Sein „Almagest“ (wie es heute genannt wird) hat er vor ca. 1900 Jahren geschrieben. Eigentlich ein dicker mathematischer Traktat über die Dreieckslehre. Ptolemäus spricht ausführlich in diesem Werk aber über die Himmelskunde, was allerdings nicht ohne Konsequenzen war:

Dank Ptlolemäus glaubte man fünfzehnhundert Jahre, dass die Erde Mittelpunkt des Weltalls sei und dass die Sonne samt Planeten und Fixsternen um die Erde kreise. Erst Kopernikus hat eine Alternative zu diesem Modell präsentiert. Sie erschien allerdings erst nach seinem Tod – so sehr hatte er Bammel davor, den großen Ptolemäus zu widerlegen.

Was die anderen drei Namen betrifft: Es handelt sich um Vorgänger von Ptolemäus, deren Werke Ptolemäus in seinem mathematischen Traktat erwähnt und – dies muss ich fairerweise betonen – gebührend ehrt.

Ptolemäus’ „Almagest“ war ein antiker Bestseller, und weil Ptolemäus so viel über die Ideen seiner Vorgänger schrieb, wurden deren Werke in der Antike immer seltener kopiert und tradiert. Sie sind deshalb restlos verschwunden. Alle.

Schade. Denn das Werk von zumindest eines dieser Vorgänger hatte es in sich. Aristarchos von Samos war nämlich der Meinung, dass nicht die Erde, sondern die Sonne Mittelpunkt unseres Planetensystems sei. Meinen Sie nicht, dass die Menschheitgeschichte anders geworden wäre, wenn man Aristarachos statt Ptolemäus im römischen Kaiserreich und im Mittelalter gefolgt wäre?

Nur am heutigen Tag, dem 1. Juni 2010, ein kleines Gedankenspiel über ehemalige Neuigkeiten. Ptolemäus war übrigens der Meinung, dass Aristarchos ein Spinner war.

Auch der 31. Mai 2010 ist schon vorbei. Horst Köhler ist sein Amt los. Ballack humpelt rum und hadert mit seinem Schicksal. Die Kapazitäten der Uno verhandeln über Gaza. Dennis Hopper driftet immer weiter weg von der irdischen Sphäre, das Öl glubbert stur weiter in den Golf, die Spanier grummeln auf den Straßen über die Rating Companies, über den Euro wird geschimpft, während er von manchen noch gepriesen wird, und Lena…unsere Lena…schreitet selbstbewusst und blindlings (wie jeder) in die Zukunft. Viel Spaß auf dem Abi-Ball, o Wunderkind!

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