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Fröhlich sein in Hitlers Deutschland

Wer mit lustigen Geschichten aus der guten alten Zeit der Gewaltdiktatur gerechnet hat, der hat sich geirrt. Sorry, verkehrte Webseite.

Ich möchte nur weitergeben, was mir – wir nennen ihn Frank – neulich erzählt hat.

Frank ist Zeitzeuge und schätzt seine Privatsphäre.

Es geht um die Leidenschaft: Beginnen wir mit Gustav Fröhlich und Lída Baarová. Es würde mich keinesfalls überraschen, wenn viele Leser nicht mehr wissen, wer diese Leute sind.

Schon 1935 oder so lernte Fröhlich (1902-1987), derzeit „Don Juan des deutschen Films“, Fr. Baarová (1914-2000), eine sehr attraktive, junge Schauspielerin aus der Tschechei, kennen. Sie spielten zusammen im Film „Barcarole (1935). Zwischen ihnen hat es bald gefunkt. Wie das manchmal der Fall ist, zogen sie in ein Haus zusammen – genauer gesagt ins Villenviertel Berlin-Schwanenwerder. Mit Sicherheit teilten sie eine Zahnbürste. Damit meine ich – sie wurden, soweit heute bekannt, intim.

Wie das Schicksal es wollte, hatten sie als Nachbarn Joseph und Magda Goebbels. Und bald hat sich Goebbels – Spitzname: „der Bock von Babelsberg“ – in Fr. Baarová verschossen und zwar sehr. Bald teilte auch er eine Zahnbürste mit ihr.

Und nun passierte es: Eines Tages hat Fröhlich die zwei – beim Zähneputzen – überrascht. Der Don Juan des deutschen Films war in dem Augenblick alles anders als fröhlich. Frank zufolge, hat Fröhlich dem Babelsberger Bock eine kräftige Ohrfeige verpasst.

„Ja, und was passierte dann mit Fröhlich. Wurde er gleich verhaftet?“ fragte ich naiv.

„Nein, das ist nicht passiert. Goebbels war zwar sehr mächtig. Verhaftungen waren nicht Teil seines Zuständigkeitsbereichs. Es wäre ohnehin nicht in seinem Interesse gewesen, dass diese Peinlichkeit publik gemacht wird.“

Irgendwie gelangte die Geschichte trotzdem in die Öffentlichkeit. Auch Frank war damals bestens informiert. Wer gepetzt hat, ist nicht bekannt.

Fröhlich vielleicht? 1939 sagte er bei der Premiere von „In geheimer Mission“ (Kennen Sie den Film? Ich nicht) in Berlin, nachdem einer aus dem Publikum „Gustav, was war mit Goebbels?“ rief: „Ach, reden wir doch mal von etwas anderem“. Der Ton war eindeutig süffisant.

Übrigens: Zwischen Goebbels und Baarová entflammte bald so etwas wie die große Liebe. Er wollte sich sogar von Frau Magda scheiden lassen, um Baarová zu heiraten. (Magda hatte damals einen eigenen Spezl, habe ich gelesen: den späteren Breslauer Gauleiter Karl Hanke. Über diese Type habe ich in meinem noch unveröffentlichten „Gedanken um Otto W.“ ausführlich erzählt. Siehe da, wenn es soweit ist).

Goebbels sprach auch Hitler über seine Heiratspläne an. Der Führende tobte aber sehr. Sein Interesse galt damals eher dem Krieganzetteln als irgendwelchen Liebesskandalen. Er ließ Baarová nach Prag verschwinden.

Warum erzähle ich diese Geschichte? Wegen Komiker Werner Finck (1902-1978). Denn um besagte Zeit pflegte er bei seinen Auftritten Folgendes zu singen: „Ich möchte auch mal fröhlich sein, nur eines Stunde fröhlich sein.“ Das war ein gewagtes Vergnügen, und er (im Gegensatz zu Fröhlich) landete prompt im KZ. Aber nur kurz.

„Weißt du“, sagte Frank. Auch die Nazis mussten mit ihren Verhaftungen bisweilen vorsichtig sein.“ Der Komiker war wohl damals sehr beliebt.

O-Ton Finck: „Gestern hatten wir zu, weil wir zu offen waren. Wenn wir heute wieder zu offen sind, haben wir morgen wieder zu.“

So sieht die Redefreiheit in der Diktatur aus. Fröhlich, fröhlich, fröhlich.

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