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Managerdeutsch für Anfänger

Während ich diesen Text auf meinem Klapprechner schreibe, tüftelt mein Sohn im anderen Raum. Er ist dabei meinen PC gründlich zu entstauben. Dann will er mir eine zweite Festplatte einbauen.

Mei, so schnell werden sie groß. Mir kommt es fast wie gestern vor, dass „Computer“ für ihn nur „Killerspiel“ bedeutete. Die Zeit rast dahin.

Ja, ich bekomme eine zweite Festplatte. Das passt gut . Denn heute hatte ich vor, über einen wichtigen Slogan aus den Chefetagen der Medien zu schreiben, einen Slogan, der ein bisschen einer zweiten Festplatte ähnelt: „expand your brand“.

Notabene: Obiger Begriff ist Deutsch, genauer gesagt, Managerdeutsch. Die Leute auf der Chefetage halten sich selten an die üblichen Sprachgrenzen. Was griffig klingt, ist halt richtig.

Ehrlich gesagt: Ich finde, man hätte „expand your brand“ ebenso pfiffig mit herkommlichen deutschen Wörtern ausdrücken können. Zum Beispiel: „Die Sehnen dehnen“ oder vielleicht „strecke die Decke“ (auch wenn Letzteres ein bisschen mundartig anmutet). Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich habe nichts gegen Denglisch usw., doch manchmal gibt man zu schnell auf. Deutsch ist auch eine griffige Sprache.

Auch die Griechen litten unter einer Art „Denglisch“-Dilemma. Das römische Reich übte einen dermaßen großen Einfluss auf Griechenland aus, dass eine „liechische“ Sprache zustande kam. Man hat viele lateinische Wörter einfach übernommen.

Zum Beispiel „spekulator“, „kolonia“, „kensus“ (zu Deutsch „Zensus“) „kenturion“ (dt. „Zenturio“), für den Leiter einer Hundertschaft Soldaten. Puristen unter den Griechen suchten in der eigenen Sprache nach Alternativen für die Fremdwörter. Aus dem lateinischen „centurio“ machten sie „hekatontarchos“, wörtlich „Führer der Hundertschaft“. Vergebliche Liebesmühe natürlich, wie bei meinem „Sehnen dehnen“ usw.

Nebenbei: In Deutschland lernen Schüler im Lateinunterricht „centurio“ als „zenturio“ auszusprechen. Der Grund dafür: Als die Germanen auf dieses Wort stießen, sagte man auf den Straßen Italiens „“tschenturio“ oder so ähnlich. Im heutigen Italienischen heißt dieses Wort „centurione“ und beginnt deswegen mit einem „tsch“. Die griechische Schreibart „kenturion“ ist ein Beweis dafür, dass die Römer das „K“ einst hart aussprachen.

Gleiches gilt für das lateinische „V“. Die griechische Schreibart liefert den Beweis dafür, dass dieser Buchstabe einst wie ein englisches „W“ klang. Der lateinische Name „Valerius“ wird, zum Beispiel, im Griechischen mit „Ualerius“ wiedergeben. Erst zu einer späteren Zeit stößt man auf „Valerius“ mit einem „beta“ als Anfangsbuchstabe. Das heißt: Die Aussprache dieses Wortes hat sich über die Zeit verändert.

Das alles, wie gesagt, nur nebenbei. Ich wollte lediglich über „expand your brand“ erzählen. Stattdessen habe ich meine Decke gestreckt!

Wobei die Marketingleute  mit „expand your brand“ etwas anderes meinen als ich hier. Sie verpacken den gleichen Content in verschiedenen Formen und gehen davon aus, dass der Kunde dies nicht merkt. Wenn der Kunde das Angebot akzeptiert, ist das für den Marketer ein gefundenes Fressen. Das Dehnen der Sehnen also. In dieser Glosse geht es nur um Managerdeutsch für Anfänger. Man will sich nicht zu viel auf einmal expandieren. Für heute also genug.

Anyway, mein Sohn hat eben verkündet, dass ich jetzt der stolze Besitzer von zwei Festplatten in einem entstaubten PC bin. Ich habe mein Gedeck gestreckt und freue mich auf neue Wörter. Auch ich bin gewissermaßen Manager!

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