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Hier wird das Geheimnis des Ursprungs der Sprache gelüftet

Vorgestern abend war „Der Sprachbloggeur“ im Internet unerreichbar. Da der darauffolgende Tag den zwanzigsten Jahrestag der Niederschlagung der Studentenbewegung am Platz des himmlischen Friedens in Peking markierte, hätten Sie vielleicht denken können, dass die lange Hand der chinesischen Regierung den „Sprachbloggeur“ ausgeschaltet hatte, weil die Chinesen befürchteten, ich hätte die Absicht, etwas über den damaligen Protest zu veröffentlichen.

Wäre schon möglich, dass ich zu den unzähligen potenziellen Staatsfeinden gezählt werde.

Aber nein. Die Chinesen spielten hier, soweit ich das beurteilen kann, keine Rolle. Der Server, Heimat dieser Glosse, war einfach abgestürzt, und somit war jede Spur dieser wie auch anderer von diesem Server abhängigen Internetseiten verschwunden. So schnell passiert es im Zeitalter der elektronischen Information.

Doch nun habe ich das Thema Platz des himmlischen Friedens aufgegriffen. Und ich komme nicht umhin darüber zu staunen, wie zwanghaft die chinesische Regierung jene schrecklichen Ereignisse von vor zwanzig Jahren unterdrückt.

Eigentlich tun mir die Kaderisten leid - müssen soviel Lärm machen, um Schweigen zu erzwingen.

Hier haben wir es mit einem Bilderbuchbeispiel des Verstummens der Sprache zu tun – mit einem Bild der Antisprache also.

Doch jetzt weiter zum Geheimnis der Geburt der Sprache.

Vielleicht kennen Sie die alte Geschichte. Der Lehrer fragt: „Fritzchen, was ist ein Zeitwort?“

Fritzchen zuckt mit den Achseln. „Ich weiß es nicht.“

„Ich werde es dir erklären“, sagt der geduldige Lehrer. „Zeitwörter sind Wörter, an die man ein ‚ich’, ‚du’, ‚wir’ und so weiter anhängen kann. Das ist ja einfach, nicht wahr?“

Fritzschen schüttelt den Kopf.

„Gut, dann sag mir ein Beispiel.“

Fritzchens Augen leuchten: „Ich Esel, du Esel, wir Esel…“

Fritzchen ist nichts vorzuwerfen. Er hat verstanden, dass Sprache aus Einzelwörtern besteht, Einzelwörtern, die man notfalls miteinander verbinden kann.

Oder noch ein Beispiel. Ich sage „Hilfe!“ oder „Feuer!“. In beiden Fällen klingt es so, als würde ich einen Befehl erteilen. Doch diese Wörter sind – grammatisch gesprochen – Substantive, keine Verben. Auch Bleistift ist ein Substantiv. Sagt man aber „Bleistift!“, dann hat man wieder etwas Ähnliches produziert wie „Hilfe!“ oder „Feuer!“ „Bleistift!“ sagt man, wenn man dringend einen braucht.

„Hilfe!“ ruft man, wenn man Hilfe braucht. Wer käme auf die Idee „Unterstützung!“ oder „Beistand!“ zu schreien. „Feuer!“ sagt man, wenn es brennt, nicht aber „Brand!“

Nur ein paar Beispiele, um Ihnen Einblick in den Ursprung der Sprache zu gewähren. Die ersten Wörter waren stets Ausdrücke der Unmittelbarkeit. Um richtige Gedanken zu fassen, braucht man Ruhe. Das kam freilich erst später.

Ruhe lässt sich auf Chinesisch mit „himmlischer Friede“ übersetzen. Ja, und gerade den wünschen wir den Kaderisten eindringlich. In China muss man die Sprache offensichtlich neu erfinden, damit die chinesischen Server nicht ganz abstürzen.

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