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Steinbrücks Schweizer Indianer – das letzte Wort

Vorab die Antwort auf eine Frage, die Sie nicht gestellt haben. Sie lautet „Winston Churchill“.

Nun die Frage: „Von wem stammt das geflügelte Wort: ‚Geschichte wird von den Siegern geschrieben’?“

Mir fällt dieser Spruch ein, weil ich gerade an Indianer denke, genauer gesagt, an die Indianer des Bundesfinanzministers Peer Steinbrück.

Rückblick: Vor einer Woche beschimpfte dieser aufgebrachte Politiker die Schweizer Bankiers als Indianer und drohte mit dem Einsatz der Kavallarie, um aufzuräumen. Es handelte sich, wie Sie sicherlich schon wissen, um das Schweizer Bankgeheimnis. Der verbale Angriff artete bald in einen bösen diplomatischen Albtraum aus, auch wenn der Finanzminister seinen Vergleich für humorvoll hielt. Haha. Und bald wurde der taktierende Steinbrück der politischen Unkorrektheit bezichtigt, was nicht falsch ist.

Mich hat sein Indianer-Vergleich von vorneherein stutzig gemacht. Denn jeder weiß: Die Indianer haben nie über ein Bankgeheimnis verfügt. Außerdem hat Herr Steinbrück nie klar angegeben, welchen Stamm er meinte. Sioux? Irokesen? Hopi? Schließlich ist Indianer nicht gleich Indianer. Viele „Native Americans“ aus unterschiedlichen Stämmen betreiben heutzutage Spielkasinos in den USA nicht aber Banken. Mittels dieser Kasinos schaffen sie es mit Bravour, dem weißen Mann sein letztes Hemd auszuziehen. Die Kasinos sorgen für genauso viel Bauchweh wie Montezumas Rache.

Und doch sind es die Sieger, die die Geschichte schreiben. Weil das so ist, sind unsere Kenntnisse über die Katharer in Südfrankreich, die Anfang des 13. Jahrhunderts auf Geheiß des französischen Königs ausgerottet wurden, gleich null. Ihre Schriften wurden damals vernichtet, und alle Berichte über sie stammen von ihren Bezwingern. Gleiches widerfuhr den von Augustinus arg verunglimpften Manichäern. Alles, was man über ihre Lehre weiß, stammt von ihren Feinden. Stellen Sie sich vor: Hu Jintao würde eine Biographie des Dalai Lama veröffentlichen.

In meiner Kindheit haben wir gerne „cowboys and indians“ gespielt, unsere amerikanische Variante des „Räuber und Gendarm“. Für uns waren die cowboys die Anständigen, die Helden also. Die Indianer hingegen waren die Arglistigen. Manchmal spielte ich aber gerne den Indianer. So konnte ich mir besondere Bosheiten ausdenken, um die Cowboys an die Nase herumzuführen. Deutschland die Cowboys, die Schweizer Bankiers die Indianer?

Auch die Redewendung „indian giver“ war – und ist – bei uns gang und gäbe. Ein „gebender Indianer“ war einer, der das zurückhaben wollte, was er bereits geschenkt hatte. Tatsache ist: Das Schenken unter Indianern war eine Art Handel, um Abkommen zu schließen. Die Weißen im 17. und 18. Jahrhundert haben das nicht realisiert. Handel treibende Native Americans verstanden sie als habgierige Wilde.

So sind auch Peer Steinbrücks Indianer: Wilde, Feinde der Zivilisation. Aber Hand aufs Herz: Würden Sie Ihr hart verdientes steuerflüchtiges Geld freiwillig Wilden anvertrauen?

Letztendlich sind Politker aber Machtmenschen. Es fehlt ihnen nicht selten an Feingefühl, zumindest was die Sprache betrifft. Ihre Bilder wirken folglich plakativ und plump – es sei denn, sie sind wie Churchill. Der deutsche Humor, hat er einmal gesagt, ist nichts zum Lachen.

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