You are here

"Klabusterbeeren" und ähnliche Unanständigkeiten

Heute lehne ich mich schon wieder sehr weit aus dem Fenster. Ich mache mir nämlich Gedanken über Vulgaritäten, die den Zweck haben, Verborgenes, Unanständiges zu veranschaulichen.

Doch kaum entschließe mich, dieses risikoreiches Thema zu erläutern, so entdecke ich, dass ich wohl nur Harmloses zur Schau stelle. Ja, Harmloses. Ich erläutere Wörter, die man – zum Teil jedenfalls – in jedem biederen „Duden“ selbst entdecken könnte.

Beispiel "Klabusterbeere“. Sie wissen schon, was eine "Klabusterbeere“ ist. Oder? Nach "Duden“: ein "(meist bei Tieren) in den Haaren am After klebendes getrocknetes Klümpchen Kot“. Dass dieses Wort eine ländliche Schöpfung ist, leuchtet ein. Auf dem Bauernhof hat man ohnehin weniger Hemmungen, die derbe Wirklichkeit beim Namen zu nennen. Heute wird die uralte "Klabusterbeere“ vor allem in der Jugendsprache auf den menschlichen After übertragen. Der Ursprung des Wortes bleibt allerdings im Dunkeln. Herr Küpper ("Wörterbuch der deutschen Umgangsprache“) ist der Meinung, dass es mit einem alten "klamüsern“, d.h., "mühsam absuchen“, zusammenhängt. Ich vermute, dass es über den Soldatenslang in die städtische Umgangssprache abgewandert ist. "Jemandem die Klabusterbeeren aus dem Arsch fliegen lassen“ heißt (bzw. hieß) unter Soldaten, so „Duden“, "jemanden rücksichtslos drillen“.

Übrigens: Gleiche Bedeutung wie "Klabusterbeere“ hat das englische "dingleberry“, ein Wort, dass ich seit meiner Jugend kenne. Nun erfahre ich, dass es auch essbare "dingleberries“ gibt. Nein, nicht wie Sie denken! In den südöstlichen USA wird eine bestimmte Preiselbeere (vaccinium erythrocarpum) "dingleberry“ genannt. Live and learn.

"Keft“ dagegen findet man in keinem Wörterbuch…zumindest noch nicht. Ich habe das Wort auch nicht im Internet auftreiben können. Mein Sohn schwört aber, dass der Gebrauch von "der Keft“ in seinen Kreisen in der Bedeutung von "Arschritze“ weit verbreitet ist. In manchen Kreisen benutze man es im Sinne von "Gesäß“ schlechthin. Hier muss ich momentan mit eigenem Wissen passen. Ich bitte aber alle Wortdetektive , auf der Spur zu bleiben. Wir werden beobachten, wohin der "Keft“ führt.

Ähnlich unanständig – und obskur – ist der "Gooch“ (sprich "guhtsch“). Diese Vokabel wird gebraucht, um die anatomische Stelle beim Mann zwichen After und Hoden bei der Frau zwischen After und Vulva zu kennzeichnen. Das Wort ist unter Jugendlichen dank der sadistischen Sensationssendung "Jackass“ geläufig geworden. Es scheint aber nicht so ganz neu zu sein (zumindest nicht in manchen englischen Dialekten), wird manchmal "gouch“ oder "cooch“ geschrieben (obwohl letztere Form zumeist nur auf die weibliche Anatomie bezogen wird). Nebenbei: Unter Anatomen wird diese kaum erläuterte Stelle der menschlichen Anatomie "perineum“ genannt, was etwa "Leerraum“ bedeutet. In deutschen Lehrbüchern heißt sie "Damm".

Während ich diese Zeilen schreibe, wird mir zunehmend klar, dass alle bisher erwähnte Wörter etwas Gemeinsames haben: Sie gehören zum Wortschatz männlicher Jugendlicher, sind also, wie wir auf Englisch sagen, "Guytalk“. Mädchen bzw. junge Frauen bringen die obigen Ausdrücke nur selten freiwillig über die Lippen. Zu den "Guytalk“ Wörtern zählt selbstverständlich auch "Morgenlatte“ (nicht mit "Caffe latte“ zu verwechseln, was ja "Girltalk“ ist). Auch "der Wedgie“ – zu Deutsch "Hosenzieher“ würde gut hierher passen. "Wedgie“? So nennt man den fragwürdigen Vorgang, wenn ein Jugendlicher an der (heutzutage überall sichtbaren) Unterhose seines Kumpels mit einem festen Rück aufwärts zieht, um diesen zu erschrecken. In meiner Jugend gab es einen solchen Begriff gar nicht. Unterhosen galten damals noch immer als reine Privatsache. Aber Sie sehen: Neue Kulturmodalitäten, neue Wörter. Übrigens: "Wedgie“ wurde in Deutschland hauptsächlich dank der "Simpsons“ bekannt – offenbar eine Vorliebe von Nelson und den anderen Halbstarken.

Doch genug der Unanständigkeiten für heute. Schweinische Fortsetzung folgt…

Add new comment

Filtered HTML

  • Web page addresses and e-mail addresses turn into links automatically.
  • Allowed HTML tags: <a> <p> <span> <div> <h1> <h2> <h3> <h4> <h5> <h6> <img> <map> <area> <hr> <br> <br /> <ul> <ol> <li> <dl> <dt> <dd> <table> <tr> <td> <em> <b> <u> <i> <strong> <font> <del> <ins> <sub> <sup> <quote> <blockquote> <pre> <address> <code> <cite> <embed> <object> <param> <strike> <caption>

Plain text

  • No HTML tags allowed.
  • Web page addresses and e-mail addresses turn into links automatically.
  • Lines and paragraphs break automatically.
CAPTCHA
This question is for testing whether you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.
Image CAPTCHA
Enter the characters shown in the image.