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Ein Widget über "Widgets"

Lange habe ich so getan, als würde es diese Vokabel nicht geben. Es gibt sie.

Die Rede ist von "Widget“ (sprich "UI-dschitt“), ein englisches Wort, das dank der Informationsrevolution seit kurzer Zeit auch im Deutschen zu Ehre gekommen ist. Meinem Sprachgefühl nach klingt "Widget“ – zumindest als Lautkombination – ausgesprochen putzig. Vielleicht weil es mich an "midget“ ("Liliputaner“) erinnert. Die Assoziation lässt jedenfalls ahnen, dass man mit einer Vokabel zu tun habe, die auf etwas Kleines verweisen will.

Dieses Wort ist aber keine Erfindung der "Nerds“. Man findet es in jedem einigermaßen tauglichen englischen Wörterbüch. Primär bedeutet es "Vorrichtung“, genauer gesagt, man verwendet dieses Wort, wenn man auf ein nützliches kleines Werkzeug oder eine kleine Hilfe verweisen will. Etymologisch betrachtet, wird das "Widget“ irgendwie von "gadget“ (auch "werkzeugartige Vorrichtung“) abgeleitet. Seit den 30er Jahren ist es im Gebrauch. Manchmal wird es im Englischen auch im Sinn von „Dingsbums verwendet. In England bezeichnet das "Widget“ (sicherlich ist es ein "das“) ein gewisses Dingsbums in einer Bierdose, das das Schäumen des Biers beim Ausschenken erleichtert. Keine Ahnung, wie das funktionieren soll.

Doch unser Interesse gilt hier hauptsächlich dem neuen "Widget“, d.h. "Widget“ als Bestandteil des Informationswortschatzes. Die Einbürgerung von "Widget“ als "I-Wort“ (bzw. "E-Wort“) fand im Jahr 2003 statt. Eine Webseite namens "Konfabulator“ stellte dem E-Publikum kleine Hilfsprogamme, "Widgets“ genannt, zur Verfügung. Seit 2005 gehört "Konfabulator“ der Firma "Yahoo“. (Nota bene: Auf Englisch betonen wir die erste Silbe "JA-hu“. "Ja-HU“ ist also falsch!). Sie finden unter "widgets.yahoo.com“ tausende dieser nützlichen Programmchen, die im Netspeak als "Widgets“ bezeichnet werden.

Zum Beispiel: "Bee-a-Pet“ (Auf Englisch ein Wortspiel: "Sei-ein-Haustier“ oder "Biene-ein-Haustier“). "Bee-a-Pet“ wurde für Menschen konzipiert, die Sehnsucht nach einem virtuellen Haustier haben. Man kümmert sich um ein niedliches E-Bienchen. Man füttert es, legt es ins Bettchen, badet es. Ziel ist , ihm Fähigkeiten beizubringen, mit denen es einmal zu einer emsigen Biene heranwachsen kann. Dieses "Widget“ gibt jedem Ziellosen eine ernste E-Lebensaufgabe.

Beispiel zwei: "Phobias“ ("Phobien“). Auf dem Desktop hat man ein Kästchen, das 21 Phobienkategorien darbietet. Man klickt auf die Lieblingsphobie und lässt sich informieren oder sonst was. Dann gibt es den "Facebook“-Status-Updater. Wer seinen "Facebook“-Status verändern, auffrischen usw. will, kann dies anhand dieses praktischen "Widgets“ erledigen. Schauen Sie selbst bei Yahoos "Widgets. Sie werden für sich das passende Dingsbums zum downloaden bestimmt entdecken.

Wie bin ich auf die "Widgets“ gekommen? Der Infobalken meines Browsers bietet die Kategorie „Widgets“ zum Anklicken, wohl um eigene "Widgets“ am Browser einzurichten. Lange habe ich so getan (wie oben gesagt) als gäbe es dieses Angebot meines Browsers nicht. Doch Vogelstraußinitiativen führen, wie man weiß, äußerst selten zum Erfolg. Ich hab die "Widgets also direkt an den E-Hörnern gepackt. Jetzt fühle ich mich ausgesprochen informiert darüber. Wissen macht frei.

Und Jetzt wissen Sie mehr über "Widgets“ als Sie sich jemals hätten erhoffen können.

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