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Lügen wie gedruckt

Was ist schöner als das neue Jahr mit ein paar Lügengeschichten einzuläuten!

Vielleicht kennen Sie das berühmte Paradoxon des Griechen Epimenides. Dieser Philosoph aus Kreta lebte um das Jahr 600 v.Chr. und soll gesagt haben: "Alle Kreter sind Lügner.“

Wenn er die Wahrheit gesprochen hatte, dann war er als Kreter ein Lügner und seine Aussage, dass alle Kreter Lügner seien, hat womöglich nicht gestimmt. Wenn er gelogen hatte, dann war er ein Lügner, der die Wahrheit gesagt hatte.

Schnell können Paradoxe einem den Kopf verdrehen.

Das Thema Wahrheit und Lüge ist jedenfalls passend zum neuen Jahr. Immerhin haben viele Menschen erst vor wenigen Tagen Neujahrsvorsätze gemacht, die sie nicht einhalten werden. Lügen also? Nein, nur falsche Hoffnungen.

Komisch, dass im Deutschen die Wörter "lügen“ und "liegen“ beinahe gleichklingend sind. Man fragt sich, ob es zwischen ihnen vielleicht eine etymologische Verknüpfung gäbe. Im Englischen ist dieses Zwillingspaar gar nicht zu unterscheiden: "lie“ und "lie“. Fakt ist: Die Ähnlichkeit ist nur zufällig – wie im Fall von "Saite“ und "Seite“, "die Leiter“ und "der Leiter“, "Arm“ und "arm“.

Homonyme, wie man diese gleichlautende Wörter nennt, sind wie Doppelgänger oder Pralinen: Auch wenn sie äußere Übereinstimmungen aufweisen, weiß man nie, was einem unter der Oberfläche zu erwarten ist.

Warum will ich heute „Lügen-Geschichten“ erzählen? Aus zwei Gründen.

Der erste ist ein sehr persönlicher und hat mit der Redewendung "jemanden Lügen strafen“ zu tun. Komischerweise kann ich den Sinn dieses Idioms seit Jahrzehnten nie richtig verinnerlichen. "Lügen“ als Objekt des Verbs "strafen“ klingt (zumindest mir) unlogisch. Das Pendant auf Englisch heißt übrigens "to belie“ – etymologisch mit "belügen“ verwandt. Doch "belie“ ist kein "Belügen“. Man sagt: "His trembling hands belied his calm“. („Seine zitternden Hände straften seine Ruhe Lügen“). Ebenso unlogisch.

Der zweite Grund für diesen Exkurs über das Lügen: Ich wollte Ihnen eine schöne Lügengeschichte erzählen: die von der "Lügenbrücke“. "Kommst du auch heil über die Lügenbrücke?" ist eine Redewendung, die längst aus der Mode gekommen ist, und bedeutet: "Meinst du das wi-i-i-rklich?“ Die "Lügenbrücke entstammt einem alten Märchen über einen Knaben, der gerne Unwahrheiten erzählte. Als er von einer Reise zurückgekehrt war, berichtete er seinem Vater, dass er unterwegs einen Hund gesehen hatte, der so groß war wie ein Pferd. Daraufhin erzählte ihm sein Vater von der Lügenbrücke: Über die Lügenbrücke müsse man am selben Tag gehen, wenn man gelogen habe. Diese Brücke sei aber keine gewöhnliche. Wer sie besteige, breche sich immer ein Bein. Bald schrumpften die Dimensionen des beschriebenen Hundes.

Ja, lügen wie gedruckt. Ungelogen.

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