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Wenn "super" nicht genügt

Heute möchte ich Ihnen eine frohe Botschaft verkünden: Die Zeit der "Megasuperlative“ geht ihrem Ende entgegen. Möglicherlicherweise bin ich der Erste, dem dies aufgefallen ist. Wenn dem so ist, dann lesen Sie hier einen Exklusivbericht.

"Megasuperlative?“ Damit meine ich das Bedürfnis alles viel größer zu machen als es eigentlich ist. Ich komme auf diese Gedanken nach einer Woche der "supers“. Vor wenigen Tagen feierte Amerika das große jährliche Footballspiel, "Superbowl“. Anschließend gab es den "Super-Tuesday“, den "Superdienstag“, den Tag, an dem in 24 US-Bundesstaaten Vorwahlen für die parteibezogenen Kandidaturen zur Präsidentenwahl abgehalten werden.

Doch mittlerweile hat man für Begriffe mit dem Eigenschaftswort "super“ – so meine ich –nur noch ein müdes Lächeln. Denn der Gebrauch dieses Worts kommt zusehends in die Jahre.

Dies fiel mir besonders auf, als ich vor ein paar Tagen einen Artikel in der "Münchener Abendzeitung“ über den Super-Tuesday entdeckte. Schon die Überschrift sagte alles: "Der Super-Mega-Giga-Tuesday“. Was war damit gemeint? Offenbar hat der Begriff "Super Tuesday“ manchen US-Journalisten nicht mehr gereicht, um der Bedeutung dieses Wahltermins Genüge zu tun, und sie setzten daher noch eins drauf. Aus dem "Super-Tuesday wurde ein "Mega-Super-Tuesday“, oder ein "Giga-Tuesday“ oder sogar ein "Tsunami-Tuesday“.

Meine Schlussfolgerung: "Super“ hat wohl ausgedient.

Übrigens: Ich vermute, dass dieses Wort mit der Figur des Comic-Helden "Superman“seine steile Karriere anfangs als Ausdruck des Optimalen gemacht hat. Gut möglich, auch, dass der "Mann aus Eisen“, wie wir Kinder ihm einst huldigten, seinen Namen Friedrich Nietzsches "Übermensch“ zu verdanken hat.

Der Name "Superman“ hat aber über die Jahre einiges von seiner gewesenen Allmacht eingebüßt. "Superman“ als Name eines Helden klingt längst altbacken. Kein Wunder, dass Marvel-Comics (die Konkurrenz zu DC-Comics, Hersteller von "Superman“) inzwischen einen "Megaman“ aus der Taufe gehoben hat.

Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, dass die "Gigamänner“ kommen. Alles letztendlich vergebliche Liebesmühe, meine ich aber. Die Suche nach immer höheren Potenzen des Superlativen kann am Ende nur in eine Sackgasse führen. Irgendwann werden die potenzierten Namen so absurd klingen, dass man bereitwillig moderate Töne ergreift.

Das prophezeie ich heute. Und dieses Weissagen gilt nicht nur für Amerika: Im Lauf der letzten 20 Jahre oder so hat man Wachstum auch in Deutschland und in anderen Ländern – egal ob in der Wirtschaft oder in der Größe der Portionen im Restaurant – immer mehr als Sinnbild des "Fortschritts“ verstanden. Bald kommt aber die Wende. Ich verkünde heute die frohe Botschaft der Rückkehr zu normalen Portionen und Ereignissen.

Nur auf einem Gebiet gilt obige Prophezeiung nicht – zumindest noch nicht: im Bereich der Computerspeicher. Sie kennen bereits das "Kilobyte“, das "Megabyte“ und das "Gigabyte“. Bald kommen die "Terabytes, die "Petabytes“, die "Exabytes“, die "Zettabytes“ und die "Yottabytes“. Hand aufs Herz: Macht so viel Speicherplatz wirklich glücklich?

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