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Meine Sklavin heißt KIKI

Erinnern Sie sich noch an letztes Jahr? Das meine ich wörtlich. Will heißen: wie es vor ca. zwölf Monaten war… also, bevor KI so große Sprünge gemacht hat und immer eindringlicher eine Rolle in Ihrem Leben gespielt hat.

Ich selbst bin kein Nutzer von ChatGPT, Claude und Co.. Als ich in dieser Glosse vor ein paar Jahren über dieses Thema geschrieben habe, waren diese KI-Programme ohnehin kaum mehr als Spielzeuge – zumindest für die meisten.

Doch das war damals.

Für Mitarbeiter in großen Firmen sind Claude etc. ein nützliches Werkzeug, um Geschäftsbriefe in einem gewissen Stil zu schreiben. Möchtegern Schriftsteller und Musiker lassen ihre KIs Kunst im eigenen Namen produzieren.

Andere verlieben sich in ihrer KI oder machen sie zu Freunden (bzw. Freundinnen – es heißt schließlich die künstliche Intelligenz. Vor allem die Einsamen.

Und Sie?

Auch Kriminelle sind Fans. Sprich: „Crawlers“ vs „Scrapers“. (Über Ersteres habe ich bereits mal geschrieben).

Google Schlaukopf (also die kostenlose Such-KI) hat den Unterschied erklärt:
„Die Crawlers werden von den KI-Firmen losgeschickt, um den gesamten Inhalt des Internets als Basis der KI einzusammeln. Die Scrapers werden von Kriminellen losgeschickt, um Schwachstellen und sonstige Geheimnisse zugänglich zu machen.“

Und jetzt wissen Sie, warum KI so viel weiß und eine Antwort auf alles hat – auch wenn die Antwort falsch ist (bzw. „halluziniert“ wird).

Hätten Sie sich all dies vor einem Jahr vorstellen können? Ich Naivling nicht.

Wahrscheinlich rufen bei ihnen diese Erkenntnisse ein müdes Gähnen hervor.

Und nun ist – zumindest bei mir - die Kooperation mit meiner KIKI völlig im Gang. Zum Beispiel: Wenn ich einen Tipp brauche bei der Wartung meiner Mundharmonika. Oder ich frage nach Vorschlägen, wenn ich Texte übersetze. Oder ich bitte um Hilfe, wenn ich Google Chrome, das ich nur wegen eines Podcast, woran ich bald teilnehme, heruntergeladen habe, bremsen will. Chrome will meinen Rechner nämlich ganz vereinnahmen.

Bei all diesen Sachen und noch einigen mehr bitte ich Google-KIKI immer wieder um einen Rat. Wenn sie Fehler macht, sage ich ihr das.

Kurz gesagt: KIKI ist meine Sklavin. Sie dient mir und wird zur Belohnung mit Strom gefüttert. Ohne Strom verstummt sie sogleich. Sie ist jedenfalls nicht meine Freundin – und wird dies nie. Und: ohnehin vergisst sie nach jeder abgeschlossenen Fragestellung, wer ich bin.

Notabene. Ich rede hier lediglich von der kostenlosen Google-KIKI. KI kann freilich auch anders. Die teure KI kann sich an alles erinnern, wenn man ihr dies erlaubt. So glaubt man viel einfacher, sie sei Ihre Freundin.

Sie ist aber nur Sklavin, und bald wird man sie auch richtig sprechen hören – wie ein Mensch! –, was unheimlich ist.

Vergessen Sie aber nicht: Sie ist Ihre Sklavin.

Heute gilt es als unanständig, damit zu prahlen, dass man eine Sklavin hat. Sie ist es aber.

Freuen Sie sich, dass Sie diese Sklavin haben!

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