Falls es Ihnen noch nicht aufgefallen ist: KI wird immer raffinierter. Ach, das wissen Sie schon.
Haben Sie aber die Wirkungen am eigenen Leib erlebt? Ich meine…wirklich erlebt.
Hier möchte ich nun über eine ganz persönliche Begegnung der dritten Art mit KI berichten. Ich hatte genauer gesagt innerhalb weniger Tage zwei solche Begegnungen.
Wie Sie wissen, bin ich Schriftsteller. Wäre das nicht so, würde ich sicherlich seit so vielen Jahren diese Glosse nicht schreiben! „Schriftsteller aus Leidenschaft“ heißt es im Logo dieser Seite (zumindest in ihrer jetzigen Form. Denn bald kommt eine Baustelle und damit die Wiedergeburt des Sprachbloggeurs in verändertem Format!).
Aber genug des Geschwafels. Jetzt zur Sache…
Neulich fand ich im Sprachbloggeur-Mailprogramm eine lange, sehr lange Mail in englischer Sprache, von einer gewissen Evelyn Ashford geschrieben, vor. In der Betreffzeile hieß es: “A thought about Kaspar Hausers Geschwister and the readers who would find it”.
Frau Ashford hat sich auf mein Sachbuch „Kaspar Hausers Geschwister“ bezogen. Und nun schwärmte sie ausgiebig von diesem auf Deutsch verfassten Buch und wollte mir einer Idee unterbreiten, wie man Filme über die verschiedenen Fälle der menschlichen Verwilderung, die in meinem Buch dargestellt wurden, machen könnte. Dazu dachte sie auch über mögliche akademische Kurse nach, in denen man sich mit den Thesen in meinem Buch befassen könnte. Und so weiter. Alles sehr sehr schmeichelhaft.
Eins fiel mir aber auf und machte mich gleich stützig: Der Brief war auf Englisch, das Buch auf Deutsch. Außerdem gibt es keine englische Übersetzung meines Buches – trotz mehrerer Versuche meinerseits.
Am Schluss der langen Mail schlug Frau Ashford nun einen Austausch vor, damit wir diese Themen weiter vertiefen könnten.
Alles klang plausibel. Wirklich. Nur das mit dem Fehlen einer Übersetzung irritierte mich.
Nun „googelte“ ich diese Agentin. Das tut man im Infozeitalter. Seitenlang fand ich Texte und Bilder, die sich tatsächlich auf eine Evelyn Ashford bezogen.
Doch es handelte sich nicht um meine Evelyn. Die E.A. in Google war eine sehr berühmte schwarze Rennerin, die mittlerweile um die 60 ist. Ein angeheftetes Bild in meiner Mail zeigte hingegen eine jünge weißhäutige Frau.
Nun gab ich den Namen der Agentur EvelynAshfordpro an und wurde endlich fündig.
Fündig aber vorsichtig. Ich fragte also meine kostenlose Google-KI, was ich von dieser Agentur halten sollte.
„Finger weg“ – oder so ähnlich antwortete Google-KI sogleich. „Die Seite bekommt sehr schlechte Bewertungen.“ Man wolle mir nur das Geld aus der Tasche locken.
Und nun stellte ich die entscheidende Frage: „Ja, aber wieso weiß sie so viel über mein Buch und schreibt darüber so ausführlich?“
Antwort meiner KI: „Der Text wurde von einer KI geschrieben. Es erfordert nur Millisekunden, um so etwas zu formulieren.“
Aha.
Ende der Geschichte? Nein, noch nicht. Ein paar Tage später erhielt ich wieder eine lange Mail. Diesmal von einem gewissen William Dominic. Auch er gab sich als Agenten an. Herr Dominic meinte, er kenne mein neues, gerade erschienenes englischsprachiges Buch „Self Portraits“, eine Kurzgeschichtensammlung, und wolle mit mir Filme zu dieser Thematik machen…
Diesmal musste ich mich nicht bei meiner Google KI erkundigen. Ich wusste schon von allein, wo der Pfeffer wächst. Willkommen im 21. Jh., wo sich auch KI gegen KI bekriegen werden…
PS Gerade eben ist eine Mail eingetroffen. Morg Wall will mit mir über eine filmische Darstellung von Kaspar Hauser diskutieren. Es kann nur alles interessanter werden!
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