Notabene: Die Identität des Interviewers wird heute nicht preisgegeben.
Interviewer: Ihr Blog erscheint seit ca. zwanzig Jahren. Was hat Sie
dazu motiviert?
Sprachbloggeur: Ganz einfach…Geld. Damals habe ich bei einer Zeitschrift eines großen Zeitschriftverlags gearbeitet. Als der langjährige Finanzchef, der mich gut kannte, in Ruhestand trat, kam ein neuer, um ihn zu ersetzen. Kennen Sie die Stelle in der Bibel, wo es heißt: „Und es kam ein Pharao, der den Joseph nicht gekannt hat…“?
I: Ja, das steht im Buch Exodus, und sie deutet darauf hin, dass die Kinder Israels nicht mehr in Harmonie mit den Ägyptern leben durften.
SB: Genau. Und genau das ist mir damals passiert. Der neue Finanzchef – er war ein junger Mann, ehrgeizig und unterkühlt – sagte als erstes, als wir miteinander bekannt gemacht wurden: „Ach! Sie sind der Herr Blumenthal. Sie verdienen zu viel!“
I: Freundlich.
SB: So war auch mein Eindruck. Über die nächsten Monate wurde ich alle drei Wochen bestellt, um mit der Verlagsobrigkeit – ich nannte sie die drei Grazien – über einen neuen Vertrag zu reden…bis es endlich so weit war.
I: Was hat das mit dem Sprachbloggeur zu tun?
SB: Wie oben gesagt, es war Geld, dass mich dazu motiviert hat, diesen Blog ins Leben zu rufen. Denn mein neuer Vertrag war derartig ungünstig,
dass es so aussah, dass ich meine Familie mit weniger Geld unterstützen musste.
I: Und der Blog?
SB: Ich komme dazu. Damals – manche wissen es heute nicht mehr – waren Blogs eine Neuigkeit. Mittlerweile sind sie eher Auslaufmodell – falls man sie nicht auf einer großen Plattform haust. Eines Tages kam ich – einfach so – auf die Idee einen Blog über Sprache zu schreiben – und zwar als Dienstleistung für den Verlag. Tja, die Not macht erfinderisch. Mein Chef war mit der Idee einverstanden. Damals habe ich sogar zweimal die Woche meine Glossen geschrieben, was ein gutes Geld brachte, und am Ende des Monats hatte ich nunmehr ebenso viel verdient wie in der Zeit vor meinem neuen aufgezwungenen Vertrag.
I: Clever.
SB: Ja, finde ich auch.
I: Und wie kamen Sie auf die Idee, den Blog „Sprachbloggeur“ zu nennen?
SB: Es war irgendwie naheliegend. Ich war nun schließlich „Blogger“ und wollte über Sprachen schreiben. Das mit dem „eur“ war ein Einfall. Bis heute finde ich diesen kleinen, exotischen Touch schön.
I: Ja, es klingt tatsächlich gut. Und wie hat der Verlag darüber reagiert, dass Sie plötzlich schon wieder mehr Geld verdient haben, als er ausgeben wollte?
SB: Ich vermute, dass die drei Grazien nicht ganz glücklich waren. Aber der Blog war damals beliebt. Wahrscheinlich traute man sich ihn nicht einzustellen.
I: Und warum arbeiten Sie nicht mehr bei dem Verlag?
SB: Erstens, weil es diesen Verlag nicht mehr gibt. Er hat sich im wahrsten Sinne zu Tode gespart. Und zweitens: weil mir mein damaliger Chef eines Tages mitteilte, dass man leider kein Geld mehr habe, um mir für meine Arbeit zu bezahlen. Ich dürfe die Glosse aber weiterhin kostenlos veröffentlichen.
I: Sehr großzügig.
SB: Fand ich auch und bin deshalb prompt selbstständig geworden und zu meinem langjährigen Webmeister Herrn P. übergegangen. Zwar verdiene ich weiterhin kein Geld für die Arbeit, dafür aber unterwerfe ich mich einer dummen wirtschaftlichen Struktur nicht mehr. Ich mache die Arbeit für mich, für meine Leser und für meine Spammer und nicht für einen treulosen Verlag.
I: Und machen Sie weiter?
SB: Für jetzt denke ich schon. Übrigens: Eigentlich sollte diese Seite schon längst eine neue Aufmachung bekommen haben. Das hat sich aber hinausgezögert. Herr P. ist sehr beschäftigt, und ich bin es manchmal auch. Aber letztlich bin ich überzeugt, dass es immer noch Themen gibt, die mich sprachlich reizen, und die ich in meiner Identität als Sprachbloggeur weiterhin schreiben möchte. Fortsetzung folgt.
I: Wir freuen uns auf Neues…
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