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Limerenz für Flexer

Wo ich neulich auf den Begriff „limerence“ gestoßen bin – zu Deutsch „Limerenz“ – habe ich leider vergessen. Es war jedenfalls ein Infotainmentblatt: vielleicht die New York Times oder Washington Post.

Komisches Wort habe ich gedacht und wurde natürlich neugierig. Als Englisch Muttersprachler, der länger in Deutschland lebt als in der amerikanischen Heimat, werde ich immer wissgierig, neue Begriffe, die ich gar nicht kenne, zu erforschen.

Das mit neuen Begriffen habe ich übrigens in letzter Zeit zweimal erlebt. Erstens mit der obigen Vokabel und zweitens in einer Mail aus den USA. Die Schreiberin hat mich folgendermaßen bedankt: „Thanks for flexing“.

„Flexing“? Ich kenne das Verb „to flex“ im Sinne von Muskel spielen lassen. Auch als „biegen“ und „beugen“.

Aber dies war in der Mail aus den USA nicht gemeint. Also habe ich den Herrn Google gefragt, und prompt eine Antwort bekommen:

„Flexing“ im Kontext der Mail aus den USA bedeutet schlicht und einfach „flexibel sein“. „Thanks for flexing.“ Also: Danke, dass Sie so flexibel waren.

Allerdings – so Herr Google – wird „Flexing“ auch ironisch verwendet. Sprich: Danke, dass Sie kein Entgegenkommen gezeigt haben.

Aber genug meiner Flexibilität. Denn eigentlich will ich heute über „limerence“ – bzw. „Limerenz“ erzählen.

Womöglich kennen Sie den Begriff schon. Ich leider nicht.

Google KIKI (die kostenlose Version) gibt für die Limerenz folgende Interpretation an: „ein Zustand zwanghafter, obsessiver Verliebtheit“.

Doch nun die Überraschung: Der Begriff ist kein Frischling aus der Vokabelfabrik, sondern eine Erfindung aus den 1970er Jahren der amer. Psychologin Dorothy Tennov.

Der Psychologin zufolge ist ein Mensch der ständig verliebt – besser gesagt: verknallt – „limerent“ (so das Adjektiv). Der limerenter Mensch will dass einer (oder eine) positiv auf seine Sehnsüchte antworte. Er habe aber Angst, dass dies nicht geschehe, Angst also vor der Ablehnung wird hier gemeint.

Der Gegenstand der Sehnsüchte wird also idealisiert. Man denkt zwanghaft an ihn oder sie, leidet auch unter Stimmungsschwankungen. Und so weiter…

Übrigens: Als die Autorin diesen Begriff erfunden hat, gab es bereits eine Neuschöpfung mit dem gleichen Sinn. Sie hieß „amorance“. Wieso die Autorin meinte, man brauche wieder einen neuen gekünstelten Begriff? Keine Ahnung. Wer dieses Thema näher untersuchen möchte, kann das Hauptwerk von Frau Tennov selbst lesen: „Love and Limerence“.

Oder vielleicht hat Google KIKI bereits eine Antwort parat.

Fest steht jedenfalls: Die Autorin hat den Begriff einfach aus der Luft gezaubert. Eine Etymologie gibt es nicht.

Nun wissen Sie alles, was ich über „limerence“ zu erzählen habe.

Sie sehen: Ich bin ein flexibler Mensch.

Aber halt. Ein letzter Gedanke: Könnte beherztes „flexing“ vielleicht gegen „Limerenz“ vorbeugen?

Keine Ahnung, aber jetzt haben Sie ohnehin alles, was Sie brauchen, um die Frage selbst zu beantworten.

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