O-Ton Ekaterina Astafeva in Spiegel-Online: „Mein Akzent verrät, dass ich nicht dazugehöre.“
Google dem Allmächtigen zufolge ist Frau A. gebürtige Russin, geboren 1995 und wohnhaft in Deutschland, wo sie als Journalistin mit Schwerpunkt Social Media tätig ist.
Den sonstigen Inhalt des Spiegel-Textes, in dem Frau Astafeva die Hauptrolle spielt, kenne ich nicht.
Es handelt sich nämlich um Abo-Inhalt. Da ich kein Spiegel-Abo habe und keins zu bestellen vorhabe, vermag ich nicht hinter den Vorhang zu gucken.
Falls Sie in dem Genuss eines Spiegel-Abos sind, werden Sie mehr über erwähnten Artikel wissen als ich.
Immerhin wirkte das kurze Zitat (auf Englisch „sound bite“) auf mich wie eine Eingebung, und es hat mich gleich angespornt, Stellung zu beziehen.
Man hört den Jammerton sofort heraus, einen Ton, der von den Medien im Augenblick hoch im Kurs steht. Will heißen: Wenn ein Mensch mit Migrantenhintergrund (einst „Ausländer“ genannt) als Opfer dargestellt werden kann, freuen sich die Blatt- und Videomacher.
Doch warum ist diese Thematik so beliebt– seitens mancher Ausländer wie auch der Medien?
Meine Theorie: Man definiert sich als Ausländer und behauptet auch darunter zu leiden. Anders gesagt: Man spielt das Opfer und bekommt Aufmerksamkeit.
Nebenbei: Auch ich bin Ausländer und beileibe kein Opfer. Mein wunderschöner Akzent verrät sofort, dass ich nicht von hinnen bin. Aber so what? Anders als Frau A. bin ich überzeugt, dass ich „dazugehöre“.
Endlose Opfergeschichten werden dankbar veröffentlicht. Doch Hand aufs Herz: Ist es wirklich so arg, einen ausländischen Akzent zu haben? Wird man tatsächlich wegen des Akzents diskriminiert? Oder wäre es möglich, dass der Grund für eine jeweilige Diskriminierung ein anderer wäre?
Mir fallen sogleich zwei Begriffe ein: Masochismus und schlechtes Gewissen: wie die zwei Sattel eines Tandemfahrrads halten sie einen in Fahrt.
Nein halt! Ich möchte hier keine Doktorarbeit fürs Fach Psychologie schreiben. Nein, das überlasse ich anderen.
Es genügt zu sagen, dass wir Menschen im Westen seit ein paar Jahrzehnten überzeugt sind, dass der Erfolg unserer Zivilisation etwas ist, wovor wir uns zu schämen haben. Ja natürlich denken nicht alle Menschen so…aber…leider…zu viele.
Man denkt: O je. Ich bin so privilegiert. Die armen anderen…
Ich erzähle hier nichts Neues.
Ein kleiner Trost: Jammern bringt Geld.
Doch Achtung: Falls ich Frau A. missverstanden habe, da ich Ihren Text nicht gelesen habe, bitte ich um Entschuldigung.
Vielleicht findet sich mal ein couragierter Verlag, der Mein Buch, „Wie ich die deutsche Sprache eroberte“, herausbringen wird. Über die Versuche einen zu überzeugen, könnte ich wieder ein ganzes Buch schreiben. Eins steht fest: Mein schöner Akzent hallt in allen meinen Texten laut und klar wider…
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