Der Sprachbloggeur erinnert sich…
San Francisco…sehr sehr lange her. Damals hieß er noch nicht „Sprachbloggeur“, der Sprachbloggeur, sondern einfach „PJ“, gesprochen „pidschäj“.
Er war jung und überzeugt: So geht es auf der Welt. Es gibt die Alten und die Jungen. Er gehöre der zweiten Kategorie an.
Einmal betrat Pidschäj eine Behörde, eigentlich eine Art NachbarschaftsKVR. Anlass für den Besuch ist längst vergessen.
Hinter dem Schalter standen zwei junge Frauen, Beamte…oder Mitarbeiter. Sie sprachen Pidschäj mit einer „Ja, bitte“ an.
Und er fragte: „Can you guys tell me if…”
Prompt wurde er unterbrochen. “We aren’t guys,” antwortete eine – und zwar mit Nachdruck.
Pidschäj hat die Botschaft gleich verstanden, entschuldigte sich und stellte seine Frage ohne „guys“ wieder.
Guy. Lange eine Bezeichnung für „Typ“. Weiblich hieß das „gal“ (von „girl“). Eigentlich ein englischer Vorname, der mit „Guido“ verwandt ist. 1605 hat ein gewisser Guy Fawkes versucht Parlament in die Luft zu jagen. Ja, schon damals gab es Schießpulver und Bomben. Dieses Attentat ist ihm aber nicht gelungen, und der gescheiterte Terrorist wurde hingerichtet – auf grausame Weise.
All dies geschah an einem 5. November des erwähnten Jahres. Seitdem feiert man in England die Vereitelung dieses Komplotts. So weit ich weiß, klingeln engl. Kinder an diesem Tag an Türen und betteln einen Penny. Dabei sagen sie „A penny for the old Guy“.
Dieser „old Guy“ hat im Lauf der Geschichte seine Identität verloren. Man sagte „guy“ einfach generisch, und es wurde zur Bezeichnung für „Typen“.
Als Pidschäj in San Francisco noch herumgeisterte, hat man allerdings begonnen, „guy“ auch auf Frauen zu beziehen. Keine Ahnung, warum. Mittlerweile ist dieser Gebrauch üblich geworden.
Nur ich weigere mich – bis heute – „guy“ zu sagen, wenn es um Frauen handelt. Der Tadel der zwei Mitarbeiterinnen beim SF-KVR wirkt immer noch nach.
Schauen Sie sich ein paar „Influencer-Videos auf YouTube oder TikTok an. „Guy“ wird ständig nonbinär verwendet…passend wohl zum jetzigen Zeitgeist.
Doch jetzt weiter zu „dude“, heute ein Synonym für „guy“ – allerdings nur (soweit ich weiß) auf Typen bezogen. Als ich in Kalifornien lebte, sagten hauptsächlich Schwule „Dude“, um Lovers oder guys, für die man Interesse hatte, hinzuweisen.
Viel früher sagte man „dude“, für Typen aus einer Ostküstengroßstadt der USA, die davon träumten mal Cowboy zu spielen. Dieser pflegten Urlaub im wilden Westen auf einem sog. „Dude Ranch“ zu machen.
Ich weiß nicht, ob auch „dude“ inzwischen „nonbinär“ ist.
Letztlich fällt mir „Bro“ ein, im Augenblick ein besonders beliebtes Wort. Jeder kennt es, es sei denn, man lebt in Nordkorea oder vielleicht in Putins Russland. Aber vielleicht irre ich mich auch da.
„Bro“ ist eine Abkürzung für „brother“ und war einst – auch bevor ich auf die Welt kam – eine Vokabel, die ausschließlich im schwarzen Slang vorkam.
Ich bilde mir ein, dass die Beliebtheit dieses Wortes etwas Neues ist. „GenZ“-Rede wohl.
Mittlerweile sagen auch junge Deutsche „Bro“. Dies hab ich neulich auf der Straße gehört. Mädchen spricht man ebenso mit „Bro“ an.
Aber genug. Warten wir ab, ob GenAlpha (und -Beta) einen feuchten Kehricht um diese Wörter scheren wird…
Add new comment