Ich lebte damals erst ein paar Jahre in München, und meine Deutschkenntnisse waren noch bescheiden. Beim Aussteigen aus dem Bus bewegte sich die betagte Dame (oder war das ein betagter Herr?) vor mir langsam und behutsam. Hinter mir stand eine Frau in den spätmittleren Jahren. Offensichtlich hatte sie es eilig. Noch dazu – so denke ich heute – hatte sie keine Erklärung fürs verzögerte Aussteigen.
Leichtes schimpfendes Murmeln ertönte und dann mit einem Mal hat sie mich mit beiden Händen grob geschubst.
Ich war natürlich überrascht. Und wie! Ich wandte mich ihr zu und sagte: „Blöde Gans!“ Ich habe das nur deshalb gesagt, weil meiner Deutschkenntnisse die Möglichkeit einer ausführlichen sachlichen Beschreibung der Situation fehlte.
Ich erinnere mich aber, als ich endlich festen Boden unter den Füßen hatte, dass mir gleich durch den Kopf ging, wie harmlos „dumme Gans“ klingt als Schimpfwort.
Auf Englisch hört man hier sogar etwas Freundliches heraus. „Silly goose“ hat irgendwie etwas Neckisches. Will man wirklich schimpfen, gäbe es mehrere deftige Alternativen.
Ich komme auf diese Erinnerung zu sprechen, weil ich neulich beim Ausmisten meines Arbeitszimmers auf einen Artikel aus der Münchener Abendzeitung vom Anfang 2024 (klingt mittlerweile wie ewig her!) gestoßen bin.
Erörtert wurde ein Versuch seitens der Tierschutz-Organisation „PETA“ („People for the Ethical Treatment of Animals“) tierfreundliche Alternativen für Schimpfwörter zu finden, die sich traditionell auf Tiere beziehen, damit das arme Tier mit Respekt behandelt und nicht so diskriminiert werde.
„Speziesismus“nannte PETA diese Unsitte im Anklang an „Rassismus“. „Spezie“ also als Gegenpart zu „Rasse“.
PETA gibt als Beispiele für diese Respektlosigkeit gegenüber Tieren „dumme Gans“ (die Frau war wirklich eine dumme Gans!), „Rabeneltern, „ein Hühnchen rupfen“, „zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen“ u.v.a.m.
Aus diesem Grund suchten die Tierliebenden dieses Vereins nach brauchbaren Alternativen für jene Tierbeleidigungen.
Beispiel: Anstatt „ein Hühnchen zu rupfen“ „Weinblätter rollen“. Sicherlich könnte man sich daran gewöhnen.
Oder anstelle von den „zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen“, „Erbsen auf eine Gabel laden“.
Mein Lieblingsspruch lautet: „die vegane Calzone aufschneiden“. Falls Sie den nicht verstehen. Es geht um eine lustige Alternative für „die Katze aus dem Sack lassen“.
Es gäbe noch viele andere Beispiele aus dem Katzensack von PETA. Diese können Sie selber googeln.
Doch stellen Sie sich vor: Wenn Tiere die Welt herrschten, würden sie ebenso sachte mit den Menschen umgehen, wie PETA von uns Tieren gegenüber wünscht?
Wenn Sie mich fragen, ist es an der Zeit, dass PETA eine Kampagne ins Leben ruft, die sich an tierfressende Vögel und Raubtiere richtet, um ihnen Essensalternativen zu zeigen und bieten. Haben Sie jemals gesehen, was ein Reiher mit einem aufgeschnappten Maultier macht? Schauen Sie sich mal so etwas an. Sie werden verstehen, dass Reiher eigentlich Dinosaurier sind.
Nebenbei: Leider weiß ich nicht, wie PETA „dumme Gans“ vegan übersetzt hat. Mein Vorschlag aber: „du mit besonderen Bedürfnissen denkender Kräuterseitling!“?
Add new comment