Komische Frage. Und gleich denkt man an reißerische YouTube-Video-Titel, die einem ein großes „Geheimnis“, verraten wollen.
Ich meine es aber mit dieser Frage ernst. Hier kein Leserköder, und gleichwohl keine Propaganda, keine Ideologie und ebenso wenig irgendwelche seichte „social media“ Unterhaltung.
Ich bleibe also bei der Frage: Welche Sprache sprechen die Toten?
Klar, so eine Frage setzt voraus, dass die Toten überhaupt über eine Sprache, bzw., über so etwas wie ein eigenes Bewusstsein verfügen könnten.
Keine Sorge. Ich werde Sie aber mit solchen Spekulationen nicht bemüßigen, außer zu sagen, dass die Toten sehr wohl ein Bewusstsein haben. Aus äpfi amen.
Zugegeben: Viele Menschen erhoffen sich so ein „Leben nach dem Tod“. Doch meistens, weil sie Angst vor dem Tod haben, was auch den Eifer vieler erklärt, die sich für religiös im konventionellen Sinn halten.
Manche sagen aber: Es gäbe kein Leben nach dem Tod, wenn es kein Leben vor der Geburt gibt. Alles sonst wäre ohnehin nicht logisch. Ich stelle es mir folgendermaßen vor: Es ist als hätte man in einer anderen Wirklichkeit eine Fahrkarte gekauft – aus Gründen, die ich leider nicht erklären kann – und zack! Auf einmal flutscht man mit einem blinden, empörten Geschrei in diese lichte Welt. Es dauert zwar eine Weile, bis man in der Lage ist, all dies rational zu verarbeiten. Dazu braucht man aber erst eine Sprache.
Ja, ich weiß. All dies klingt meinerseits sehr spekulativ, wenn nicht rundum doof oder anmaßend. Oder Sie denken: Heute will uns der Sprachbloggeur nur verarschen.
Schon gut. Um die Sache ein wenig einfacher zu machen, kehre ich wieder in die uns bekannte Welt zurück. Außerdem werde ich meine Eingangsfrage ein wenig verändert stellen.
Nun lautet sie: In welcher Sprache denken Sie?
Wenn Sie deutschsprachig sind, sagen Sie: Klar! Auf Deutsch! Und Sie denken: Hmm, dieser Sprachbloggeur tickt heute nicht so ganz richtig.
Aber halt! Denken Sie wirklich deutsch, wenn Sie denken? Vielleicht manchmal, aber…immer? Oder vielleicht denken Sie manchmal…ohne Worte?
Verstehen Sie, wie ich das meine? Fakt ist: Manchmal verzichten wir auf Worte, wenn wir Denken. Wir sehen etwas, oder wir haben eine Idee, aber der Kopf drückt diese Vorstellung nicht in Worten aus, sondern in etwas anderes, was wir trotzdem verstehen.
Oder bedenken Sie die Gedankenübertragung.
Das kennt jeder…oder? Man sitzt mit einem anderen homo sapiens zusammen. Auf einmal sagt man: „Mensch, ich würde so gern jetzt eine Pizza essen.“ Wobei der andre darauf antwortet: „He! Gerade hab ich dasselbe gedacht!“ Oder vielleicht denken Sie an eine Pizza, und der andre spricht plötzlich davon.
Manchmal kann man kaum feststellen, wer der Urheber des Gedankens war.
Es gibt viele Beispiele von der Gedankenübertragung, manche komplexer als andere. Ich gehe aber davon aus, dass jeder gelegentlich so eine Erfahrung macht.
Aber Achtung: Hört man den übertragenen Gedanken in Worten? Oder auf eine andere Weise? Das ist die Frage.
Wenn auf eine andere Weise, kann man davon ausgehen, dass man bereits jetzt die Sprache der Toten beherrscht hat.
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