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Eine künstliche Taylor S. im Gespräch mit dem Sprachbloggeur

(Der Sprachbloggeur und die künstliche Taylor S. sitzen sich gegenüber in einem Café in München. Der SB trinkt Mineralwasser und hantiert mit einem Stück Kuchen. Die künstliche T.S. nippt an einem Espresso und spielt mit einem Löffel. Beide wirken verlegen)

SB: Nehmen Sie es mir übel, wenn ich eingestehe, dass ich gar nichts über Sie weiß? Weder darüber, wo Sie wohnen, noch das Geringste über Ihre Karriere. Ich weiß einzig und allein, dass mir Ihr Name aus den Medien bekannt vorkommt, und irgendwo habe ich erfahren, dass Sie eine große Fangemeinschaft haben.

T.S.: Nein, ich nehme es Ihnen nicht übel, und hoffentlich werden Sie es mir ebenso nicht übelnehmen, wenn ich zugebe, dass ich Ihren Namen gar nicht kenne und nicht in der Lage bin, auch das geringste über Sie zu sagen. Wohl nur dem Zufall zu danken, dass wir beide uns hier an einem Tisch in einem Münchener Café gegenübersitzen.

SB: Ja, Mir war etwas kribbelig zumute, und ich habe mich entschlossen, wie ich manchmal sage, mein Gehirn zu lüften. Ganz spontan hab ich mich entschieden, in dieses Café einzukehren. Vielleicht weil ich plötzlich einen zerrenden Durst verspürt habe und mich dabei auch ein wenig schwach auf den Beinen fühlte. Mittlerweile weiß ich, dass das ein Hinweis ist, dass mein Blutdruck im Keller ist. Ich pflege dann sofort mich mit Wasser vollzutanken. Von dem Kuchen bekomme ich darüber hinaus ein wenig Zucker – auch hilfreich, um mich zu entschlappen.

T.S.: Ja, und dann kam ich zufällig ins Café, eigentlich weil ich allein sein wollte. Man hat in meinem Beruf immer so viele Menschen um sich. Manchmal sehne ich mich nach der Anonymität. Der Laden hier war aber so voll! Ich bin zwar keine Europäerin; ich weiß aber, dass man sich – anders als in den USA – zu einem fremden Menschen zusetzen darf. Man brauche lediglich zu fragen: „Ist dieser Platz frei.“ Und gerade das habe ich bei Ihnen gemacht. Mein Gott, es funktioniert!, hab ich gedacht.

SB: Sie nehmen es mir also nicht übel, dass ich Ihre Arbeit nicht kenne?

T.S.: Um Gottes Willen, wieso das? Im Gegenteil. Wenn Sie über mich nichts wissen, dann kennen Sie auch nicht die schrecklichen Gerüchte, die Neider über mich verbreiten.

SB: Mich würde so etwas ohnehin nicht interessieren. Nur eins möchte ich aber wissen.

T.S.: Das wäre…

SB: Warum haben Sie keinen Kuchen bestellt? Dieses Café ist bekannt für sein tolles Sortiment. Das können Sie aber nicht wissen, weil Sie keine Hiesige sind. Oder achten Sie vielleicht auf Ihre Taille? Das tun manche Menschen – vor allem, wenn sie eine Fangemeinschaft zu besänftigen haben.

T.S.: Eigentlich hatte ich keinen Hunger, aber Sie haben recht. Ein wenig achte ich doch auf meine Taille. Berufskrankheit wohl. Vielleicht werde ich doch ein Stück Kuchen bestellen. Möchten Sie mir etwas vorschlagen?

SB: Das Preiselbeer Baiser ist meiner Meinung nach besonders lecker.

T.S.: Na gut, dann wird‘s ein Preiselbeer Baiser sein. Würden Sie es mir bitte bestellen. Meine Kenntnisse der hiesigen Sprache sind leider etwas bescheiden.

SB: Selbstverständlich.

(Stillschweigen)

SB: Sollen wir über ein Leben in der Öffentlichkeit reden? Ich meine… könnten Sie sich ein Dasein ohne Öffentlichkeit vorstellen?

T.S.: Sagen wir so: Ich träume davon, ich weiß aber, dass ich es nicht ertragen würde. Leider brauche ich die Aufmerksamkeit. Und Sie?

SB: Tja. Ebenso. Bloß, ich komme mit viel weniger Rummel zurecht als Sie. Zugegeben: Wenn ich keine Aufmerksamkeit bekomme, bin ich unglücklich. Wenn es aber zu viel wird, möchte ich auf der Stelle flüchten…so wie Sie es jetzt getan haben, indem Sie hierher geflüchtet sind.

T.S.: Meinen Sie, wir sind uns ähnlich?

SB: Gewissermaßen schon. Ich vermute aber, dass es den meisten Menschen so ergeht – auch ohne öffentliches Dasein.

T.S.: Komische Menschheit, oder?

SB: Möchte ich auch behaupten…

(Das Gespräch wird weitergeführt. Wir hören die zwei zwar reden, verstehen aber nicht, was sie sagen. Nur eins werde ich verraten. Am Ende des Abends geht jeder einzeln seinen Weg nach Hause…)

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